20 Jahre Ameisenschutzverein Hirschberg e. V. 2005

 

Liebe Mitglieder und Freunde des

Ameisenschutzvereins Hirschberg e.V.,

 

Seit  20 Jahren arbeiten die Mitglieder des Vereins nun am Erhalt der Ameisen im Landkreis Schwandorf und in den angrenzenden Bereichen unserer Oberpfälzer Heimat. Auslöser für die Aktivitäten auf  dem Gebiet des Naturschutzes war die Erkenntnis, daß eine Kolonie der kahl-rückigen Waldameise (Formica polyctena) in den Wäldern entlang des Auerbachtales immer kleiner wurde. Im Jahr 1980 lebten von den ehemals insgesamt 14 Völkern nur noch zwei. Der Hilflosigkeit ausgeliefert versuchten wir an Informationen über die hügelbauenden Wald-ameisen zu kommen. Fündig wurden wir im Buch "Der summende Wald" des Forstmannes Heinz Ruppertshofen aus Mölln. Weiter kam uns ein "Waldameisenlehrgang" in Straßkirchen bei Passau zu Ohren, den ich im Jahr 1984 besuchte. Leider waren beide Quellen für den Rückgang der Ameisenkolonie nicht von großem Nutzen, so daß die Volksstärke der letzten beiden Völker weiter abnahm.

 

In unserer Hilflosigkeit versuchten wir wenigstens durch das Anbringen eines Schutzgitters den weiteren Rückgang aufzuhalten. Das Ergebnis war leider negativ, aber wenigstes kamen wir uns danach nicht mehr so tatenlos vor.  Langsam regte sich bei einigen meiner Bekannten auch das Interesse und so kam es, daß wir am 29. April 1985 im Gasthaus Schießl in Fuhrn, den "Ameisenschutzverein Hirschberg e. V."  gründeten.

Zuerst war geplant, die Arbeit des Vereins auf den Bereich um den Hirschberg zu begrenzen.

Bereits im Dezember 1985 zählte der Verein 200 Mitglieder, welche allen Gemeinden des Landkreises Schwandorf kamen..

Die Gründung des Vereins war mit Sicherheit eine nicht alltägliche Begebenheit. Was aber noch weit tragender war und ist, verbirgt sich in der Tatsache, daß viele Mitglieder dem Verein beigetreten sind und so die Grundlage für die Arbeit gelegt haben. Keiner von den Gründungsmitgliedern hätte sich am 29.April 1985 vorstellen können, daß der Verein jemals 730 Mitglieder zählen würde

 

Die erste Herausforderung war der Schutz des Waldameisenbestandes auf der Rodungsfläche der ehem. WAA in Wackersdorf. Auf den Verein kamen riesige Probleme zu. Zum einen waren da die allmächtigen Bauherrn dieser Anlage, zum anderen die Behörden und die Gesetze. Prägend war für uns die ungenügende Arbeit des Betreibers in der Bestandserhebung der vorhandenen Waldameisenvölker. Nach den Plänen der DWK gab es damals ca. 7 Nester auf der Rodungsfläche. Wie sich nach unserer Erhebung herausstellte waren es aber 42 Völker. Daß größte Problem war die Durchführung der notwendigen Umsiedelungen. Es war für uns nicht möglich irgendwo fachlichen Rat in der Vorgehensweise einzuholen. Bei der Regelung der gesetzlichen Vorgaben halfen uns das LRA Schwandorf unter der Leitung unseres Freundes Hans Schuierer, sowie  die Regierung der Oberpfalz in vorbildlicher Weise.

Die Umsiedelung von 27 Völkern im Jahr 1986 war für den Verein und seinen damals bereits 300 Mitgliedern die erste Aktion, wo versucht wurde Schaden von der Natur abzuwenden.

Bei diesen Arbeiten wurde das Ziel unserer Vereinstätigkeit geprägt,

"wir wollen Schaden von der Natur abwenden und somit einen Beitrag leisten am Erhalt der Lebensgrundlagen für unsere Kinder und Enkel".

Diesem Grundsatz sind wir in all den  Jahren immer treu geblieben. Nach unserer Überzeugung kann man Naturschutzarbeit nur leisten, wenn man selber überzeugt ist, daß das menschliche Leben, sei es ungeboren im Mutterleib oder alt und gebrechlich unantastbar ist.

Nur wer immer vor Augen hat, daß alle Arbeit in und an der Natur dem Erhalt der Lebens-

grundlagen der kommenden Generationen gilt, der hat eine glückliche Hand.

Mit dieser Hand allein ist es aber leider nicht abgetan, man braucht dazu auch Geld.

Vieles decken die Mitgliedsbeiträge und auch Spenden ab. Teile der Ausgaben werden auch von den Baulastträgern übernommen. Leider müssen etliche Kosten immer noch von den arbeitenden Mitgliedern übernommen werden.

 

Das Parlament erläßt Gesetze und Verordnungen, in unserem Fall die Bundesartenschutz- verordnung, und das Bayer. Naturschutzgesetz. In diesen beiden ist unter anderem der Schutz der Ameisen verankert. Es heißt z. Bsp. Ameisen gehören zu den besonders geschützten Tierarten und dürfen ohne zwingenden Grund nicht beeinträchtigt, gefangen, oder getötet werden.

 

Also man meint es dürfte kein Waldameisenvolk mehr zerstört werden. Hier hat man aber weit gefehlt. Im Landkreis Schwandorf sind  jährlich ca. 50 Waldameisenvölker von der Zerstörung betroffen, und nur bei ca. 40 Völkern können Ameisenfreunde rechtzeitig eingreifen und diese retten.

 

Und so kommt es das die Mitarbeiter des Vereins von Anfang März bis Ende Juli jeden Freitagnachmittag und den ganzen Samstag unterwegs sind die kleinen Krabbler zu retten.

Die Informationen kommen von Mitgliedern, den Baulastträgern und Behörden, mit denen eine sehr gute Zusammenarbeit besteht.

 

Ebenso war es nicht vorstellbar, daß die Mitglieder des Vereins eine solche Aktivität entwickeln würden. Dies spiegelt sich in den nachfolgenden  Zahlen wieder.

Seit 1985 wurden vom ASV Hirschberg:

 

·         1050 Waldameisenvölker aus Baustellen und anderen bedrohten Lebensräumen gerettet

·         3400 Waldameisenstandorte im Landkreis Schwandorf erfasst

·         von 3226 Waldameisenstandorten die Daten ausgewertet

·         ca. 500  Personen aus dem In- und Ausland zu Ameisenhegern ausgebildet

·         im Landkreis Regensburg der Ameisenschutzverein Beratzhausen aufgebaut

·         im Landkreis Tirschenreuth der Ameisenschutzverein Tirschenreuth aufgebaut

·         im Landkreis Cham die Ameisenschutzgruppe des Landratsamtes aufgebaut

·         im Landkreis Regen die Ameisenschutzgruppe aufgebaut

·         das Informationszentrum für Ameisenkunde eingerichtet

·         der Arbeitskreis Not- Rettungsumsiedelung in Deutschland gegründet

·         das Ameisenschutz- und Lehrgebiet am Hirschberg eingerichtet

·         das Ameisenschutz- und Lehrgebiet im Stadtwald Nabburg aufgebaut

·         der Waldameisenlehrpfad im OFLM in Neusath errichtet

·         die Internetseiten www.ameisenfreunde.de erstellt

und die Aufzählung könnte noch beliebig fortgeführt werden.

 

Diese großartige Leistung war nur möglich, da Sie liebe Mitglieder, dem Verein über all die Jahre die Treue gehalten, ihn finanziell und aktiv unterstützt haben.

 

Dafür sage ich Ihnen allen  ein herzliches Danke!

 

Nabburg, März 2005

 

 

Hubert Fleischmann

Vorsitzender